Der Rückgriff auf den großen Inspirator meiner Jugendzeit stand am Anfang. Ich wollte weg von tagesaktuellen Strömungen, wollte an und in der Malerei lernen. Rembrandt hat so gut wie alles, was mich berührte: Leidenschaft, Konzentration, Minimalismus und eine riesengroße Seele.
Draussen stehen war ein ebenso anachronistisches als auch orgiastisches Erleben. Im Herbst bei Sturm, Regen und Nebelschwaden, im Sommer bei ständig sich änderndem Sonnenlicht bis hin zum Abend, wenn satte Farben die Augen zu verschlingen beginnen. Eine großartige Schule ganz unmittelbar in Erdennähe.

Es folgten Körperformate. Ich nenne sie so im Gegensatz zu den kleinen Formaten, bei denen der Betrachter allein nur Auge ist. Das Körperformat baut einen Corpus auf, der mir gegenüber ist. Es ermöglicht ein vis á vis, das unmittelbar körperlich spürbar wird. Das physische Gegenüber mit einer relationalen Dimensionierung zum eigenen Körper wurde mit der Zeit eines der wichtigsten Formate für mein Bildverständnis.
Es folgten schnelle skizzenhafte Bilder zu Demonstrationen, in denen der Erzählduktus ausschlaggebend war. Die Gegenständlichkeit sollte dabei stark in den Hintergrund treten und den Farben freien Lauf lassen.
Und dann entstanden vorerst die letzten Bilder, die als Malerei bezeichnen werden können. Anfang der 90er experimentierte ich mit den ersten Videoclips. Zu denen passte die Folge der Passport-Bilder, danach war Schluss, ich hatte es irgendwie überdreht, fühlte mich vom Auge-Sein bedrängt und verfolgt. Beim Bilderschauen kam Überkeit auf. Eine sehr eigentümliche und schmerzhafte Erfahrung. Zum Glück hatte ich nun ein anderes Medium gefunden mit Video, Objekten, Raumarbeiten, Handlungsvorschlägen und immer wieder Notizen und Texten.
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Fortsetzung Video, Objekt, Raumarbeiten
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Neuanfang
2000 fing ich dann doch wieder an zu malen. Eines Tages fuhr ich mit dem Auto aufs Land, rund 100 km weit nach irgendwo, stellte mich mit meiner alten Staffelei auf eine niedrige Anhöhe und malte ein einziges Bildchen.
Es folgten viele, sie wurden größer und farbiger. Mit der Zeit bekam ich wieder ein Gefühl für Farben und für Malerei. Vieles war jedoch bloß Übung, unendliche Übung, und mißlang. Fast täglich war ich im Atelier, bis zur ersten Ausstellung aber dauerte es immerhin 8 Jahre.
Beide Werkgruppen waren Übungen, um wieder ein Gefühl für große Formate zu entwickeln. Die erste Gruppe ist landschaftlich und kreist um das Thema Sonne Licht und atmosphärische Tiefe, die zweite Gruppe ging von Fotografien aus dem Garten aus, die am PC solange überlagert wurden, bis sich daraus eine Vorlage für die Malerei entwickelte. Die Herkunft der Fotos war in eine andere Syntax aufgelöst. Beide Werkreihen entstanden in einem schichtweisen Aufbau von Ölfarbe.
Erst nach dieser Zeit konnte ich zurückkommen zu jener Thematik, die in den früheren Jahren entstanden war: zu Überlegungen, was ein Bild sein kann und an welchen Punkten Bilder zu hinterfragen sind. Ich hätte auch einfach eine weiße leere Leinwand an die Wand hängen können, doch mir schwebte etwas anderes vor.
Fortsetzung: Malerei . Bild . Text



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