Wie ändert sich etwas?
Zunächst stellte ich Fragen an das Bild. Was ist auf einem Bild zu sehen, was wird auf ihm sichtbar? Wie macht es sichtbar, in welcher Art sieht ein Bild? Hierzu sammelte ich spielerisch eine Reihe von kleinen Experimenten, die alle davon handeln, dass es nicht gelingt, bestimmte Dinge auf einem Bild abzubilden. Bezeichnenderweise bereffen sie alle die Sachverhalte, bei denen es auch „im Leben“ schwer fällt, mit ihnen umzugehen. Sachverhalte, die uns veranlassen sollten, unsere Lebensweise zu ändern. Ich hatte damit erste Anhaltspunkte, dass Bildern möglicherweise nicht gelingt, auf bestimmte neue Anforderungen reagieren zu können, ja, dass sie vielleicht dem sogar im Wege stehen.
Die Malerei, so meine damalige Feststellung, findet die Antwort nicht in der Malerei. Es begann damit eine kritische Auseinandersetzung mit ihr, parallel ging ich in Texten Überlegungen nach, woran es liegen mag, und ob das Problem evenuell weit über die Malerei hinaus die Gegenwart prägt.
Auf der anderen Seite befragte ich ebenso mich selbst. Was tue ich da eigentlich, in welcher Rolle agiere ich? Wo stehe ich, wie sehe ich mich, was passiert mit mir? Das hatte zur Folge, Versuchsreihen mit anderen Mitteln als der Malerei durchzuführen. Ich fühlte mich darin freier, nicht gebunden an die Konventionen, und vielfältiger im Ausprobieren. Die Malerei trat für beinahe 10 Jahre fast ganz in den Hintergrund.
Solcherart reflexive Fragen leiten fast automatisch über zu Handlungen. Der nächste Schritt waren Vorschläge für Handlungen. Alle diese Handlungen sind sehr simpel gehalten.
Weil ich das Fordernde, das Druckvolle, das Verpflichtende des Imperativs (auch Vorschläge sind Imperative) nicht wollte, nannte ich sie „Entwurf des Lächelns“. Mir gefiel eher die Vorstellung des einnehmenden Augenzwinkerns und des wortlosen einander Verstehens. Ein beiderseitiges Einvernehmen wäre so ungefähr das Ziel.
Das Reflektieren mischte sich auf diese Weise mit Aktionen in allen möglichen Facetten. Alle Vorschläge waren zunächst an mich selbst gerichtet, aber im übertragenen Sinne bin ich sowieso nur die Stellvertreterperson, der Imperativ richtet sich genausogut an denjenigen, der es liest oder sieht.
„Wenn sich etwas ändern soll ändere dich selbst“. Unter diesem Motto entstanden in jener Zeit eine Reihe von Videos. Es ist ein gutes Medium dafür und ich experimentierte auf einem technisch sehr primitiven Level. Das Spontane und Direkte sowie eine einfache Formensprache ohne technische Raffinesse waren mein gesteckter Rahmen.
Die Blokaden sind überall. Sei es beim Klimaschutz, oder beim Umbau zu einem fairen Wirtschaften, oder bei menschenwürdigen Lösungen der Migrationsbewegungen, oder bei einer Neuorientierung der Arbeits- und Lebenswelt. Wir stecken fest, zerreden, vermeiden Entscheidungen oder verlieren die Prioritäten aus den Augen.
Wo setze ich an? Natürlich bei mir selber. Aber es geht über eine moralische Forderung hinaus, in einen ganz anderen Bereich. Das hat mit einem Vertrauen in Prozesse zu tun, die unüberschaubar, unfertig, unabgesichert sind. Prozesse, die aber von mir abhängig und gestaltbar sind.
Während dieser Zeit geschah also etwas recht Ungewöhnliches. Ich stellte als Maler das Bild und die Malerei in Frage. Das nahm außerordentliche Dimensionen an und führte zu einer längeren Unterbrechung der Malerei. In Texten, Essays und konzeptuellen Arbeiten vollzog sich ein Art von Grundlagenerforschung. Sie schuf die Voraussetzung, um überhaupt wieder mit Malerei beginnen zu können. Anschließend unternahm ich den Versuch erneut zu malen, aber es war auch nicht ausgeschlossen, dass er mißlang. Doch einen Versuch schien es mir wert.


Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.